Regenerative Zukunft

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Lobbyismus

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Der Begriff Lobbyismus steht in seiner weitestgehenden Bedeutung für die Einflussnahme auf politische Entscheidungsträger und Bevölkerung. Dabei wird vor allem versucht, den Entscheidungsträger mit Hilfe ausgewählter, vermeintlich klarer Argumente von den eigenen Interessen zu überzeugen. Leider wird der Sachverhalt dabei nur einseitig beleuchtet und auf eine Abwägung von Pro und Contra verzichtet. Lobbyismus tritt vor allem dann verstärkt auf, wenn es um zukünftige Entwicklung von Wirtschaftszweigen oder es darum geht eingeschliffene Verhaltensmuster zu ändern. Beides betrifft leider auch die Themen Ökologie, Klimawandel und Energiewirtschaft. Hier geht es vor allem darum von einer existierenden Struktur, wie beispielsweise starkem Konsumverhalten oder der Energieversorgung mit fossilen Brennstoffen, abzuweichen und neue Wege zu gehen. Dies bedeutet auch eine Verschiebung von Kapital und somit Widerstand innerhalb der bisher funktionierenden Struktur. Im schlimmsten Fall greifen beide Seiten zu plakativen Beschuldigungen und Anfeindungen, wie es vor allem bei der Kernenergiedebatte und dem Klimawandel der Fall ist. Aus diesem Grund ist regenerative-zukunft.de entstanden. Hier soll versucht werden, die vorgestellten Themen von vielen Seiten zu beleuchten und dem Leser mit Quellenangaben die Möglichkeit der besseren Nachvollziehbarkeit zu geben. Um Ihnen zu verdeutlichen wie enorm der Einfluss der „Meinungsmache“ ist, soll hier ein Beispiel von Lobbyismus zum Thema Ökologie dargestellt werden. Weitere Beispiele zu Energieerzeugung und Klimawandel werden in Kürze folgen.

Giftigkeit der Chemikalie Bisphenol A - Wirtschaft versus Wissenschaft

Bisphenol A (kurz BPA) ist eine Chemikalie, der wir ständig ausgesetzt sind, da sie unter anderem in vielen Plastikflaschen als Weichmacher zu finden ist. Die BPA-Konzentration im menschlichen Blut ist inzwischen messbar und nachweisbar – über die schädliche Wirkung dieser Chemikalie wird derweil nach wie vor munter gestritten. Die staatlichen Behörden der EU und der USA halten sich bei der Gefährdungsbeurteilung an Studien, die hauptsächlich von der Kunststoff-Industrie finanziert wurden. Gleichzeitig existieren aber auch hunderte unabhängiger Studien, die ebenfalls die Giftigkeit dieser Substanz untersuchen.

Nun hat eine große, international zusammengesetzte Gruppe von Wissenschaftlern (darunter mehrere aus Deutschland: Frankfurt, Würzburg, Berlin/Charité) eine Meta-Studie über all diese Studien erstellt und kam zu dem (im Nachhinein nicht ganz überraschenden, aber trotzdem in seiner Klarheit erschreckenden) Resultat:
Das Ergebnis einer Studie über die Giftigkeit der Chemikalie hängt in erster Linie davon ab, wer die Studie finanziert hat.

Während die offiziell anerkannten industrie-finanzierten, Studien nach angeblich wissenschaftlichen Standards die Unbedenklichkeit belegen, zeichnen wissenschaftliche Studien mit unabhängiger Finanzierung ein ganz anderes Bild, zum Beispiel dass die Konzentration von BPA, denen Menschen heutzutage ausgesetzt sind, bei Mäusen bereits eine schädliche Wirkung hat: “Hundreds of studies show adverse effects of BPA in animals, with many conducted at concentrations equivalent to current human levels of BPA exposure”
Gleichzeitig werden Mängel an den industrie-finanzierten Studien aufgedeckt und benannt: “Each of the four main industry-funded GLP studies of BPA [...] is flawed and not appropriate for use in setting health standards.”
So steht dann auch im Fazit: “Leading experts [...] are often specifically excluded”, “the depth of knowledge present on this and similarly constituted government regulatory agency panels is unlikely to be sufficient” und “this process has a high potential to yield flawed assessments that jeopardize public health– Dieses Vorgehen hat ein hohes Potential, zu mangelhaften Einschätzungen zu kommen, die die allgemeine Gesundheit gefährden.

Ein solch drastisches Statement in einer wissenschaftlichen Zeitschrift, veröffentlicht von 36 Wissenschaftlern aus 30 Institutionen, regt mich zum Nachdenken an …

 

Hier ist der Link zum Original-Artikel:
Environ Health Perspect. 2009 March; 117(3): 309–315.
Published online 2008 October 22.
doi:  10.1289/ehp.0800173

Urheberrechts-Hinweis zu den Zitaten und zum zitierten Artikel:
Copyright
This is an Open Access article: verbatim copying and redistribution of this article are permitted in all media for any purpose, provided this notice is preserved along with the article’s original DOI.


Autor: Johannes Widmer
Quelle: greentone.de

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 28. Mai 2012 um 15:19 Uhr  

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