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Energiewirtschaft

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Das EEG (Erneuerbare Energien Gesetz)

Für Informationen dazu gehen Sie bitte auf den Artikel von Oekosystem-Erde.de

 

Die Strombörse in Leipzig

Die Leipziger Strombörse EEX (European Energy Exchange) ist der Dreh- und Angelpunkt unseres Stromhandels: Dort entstehen die Strompreise, zu denen große sowie kleine Stromanbieter, Stadtwerke und Verbraucher ihren Strom handeln. Auf tagesschau.de gibt es einen Artikel zur Strompreisentstehung an der Strombörse, der einen ganz guten Überblick über die Thematik bietet. Der Sachverhalt, der im o.g. Artikel mit „Das teuerste Kraftwerk, das noch benötigt wird, um den gesamten kurzfristigen Strombedarf zu decken, bestimmt den Preis.“ beschrieben wird, ließ mich aufhorchen. Diese Betrachtung erscheint mir ein wenig zu oberflächlich, ich möchte daher hier noch einige Notizen zur exemplarischen Entstehung des Strompreises schreiben:

Strom – Strombörse

  • Der Preis für den Stromhandel wird auf der Strombörse am sogenannten Spot-Markt bestimmt, das ist der Markt, an dem die kurzfristigen Stromgeschäfte für den kommenden Tag ausgehandelt werden, wie es in den folgenden Punkten beschrieben wird. Der Spot-Markt ist bisher der einzige Markt, an dem erneuerbare Energien gehandelt werden.*
  • Der Strompreis wird stündlich gehandelt, der tatsächliche Stromverbrauch muss von den Kraftwerksbetreibern und Verbrauchern 1⁄4-Stunden-genau eingehalten werden
  • Der Strompreisverlauf wird täglich mittags für den gesamten kommenden Tag festgelegt. Alle Angebote (Kauf und Verkauf) müssen bis 12 Uhr eingereicht sein, um 12:30 wird dann der Verlauf des Strompreises für den kommenden Tag (0-24 Uhr) bekannt gegeben.
  • Unter anderem zwei Kennzahlen sind für einen Überblick über den Strompreis wichtig:
    • „base“ ist der durchschnittliche Strompreis über den Tag
    • „peak“ ist der durchschnittliche Strompreis zwischen 8 und 20 Uhr (unabhängig vom tatsächlichen Preis-Maximum an einem bestimmten Tag, denn zwischen 8 und 20 Uhr ist die Zeit, in der Strom durchschnittlich am teuersten ist.)
  • Die Preise kann jeder auf EEX.de einsehen.
  • Der Maximale/minimale Strompreis ist auf ±3000€/MWh begrenzt. :-o (Diese Zahl wird weiter unten noch wichtig.)
  • Zur Preisermittlung wird (für jede Stunde des folgenden Tages) der Schnittpunkt aus Angebots- und Nachfragekurve ermittelt, aus dem Schnittpunkt ergibt sich dann der tatsächliche Strompreis. (Erläuterungen in den folgenden Punkten.)

    Schnittpunkt aus Angebots- und NachfragekurveEntstehung des Strompreises aus Angebots- und Nachfragekurve

  • Angebotskurve: Jeder Stromanbieter gibt für jede Stunde des Folgetages an, wie viel Strom er zu welchem Preis anbieten kann, also wie viel Strom er produzieren kann, und welchen Mindestpreis er dafür akzeptiert. Diese Zahlen werden an der Strombörse gesammelt und kumulativ(!) gegen den angebotenen Preis aufgetragen, so entsteht die (stetig steigende) Angebotskurve. (Kumulativ deshalb, weil ja alle Angebote Mindestpreise sind, d.h. der Anbieter würde natürlich auch einen höheren Preis akzeptieren.) Die Kurve zeigt also, wie viel Strom zu welchem Preis verfügbar wäre.
  • Nachfragekurve: Jeder Stromkäufer gibt für jede Stunde seinen gewünschten Verbrauch an, und welchen Betrag er dafür maximal zu bezahlen bereit ist. Diese Zahlen werden ebenfalls kumulativ (beginnend beim höchsten Preis, also 3000€) aufgetragen, so entsteht die (stetig fallende) Nachfragekurve. (Kumulativ von oben deshalb, weil alle Angebote Höchstpreise sind, der Käufer würde immer auch einen niedrigeren Preis akzeptieren.) Die Nachfragekurve zeigt also an, wie viel Strom bei einem bestimmten Preis abgenommen würde.
  • Der tatsächliche Strompreis ist dann der Schnittpunkt zwischen Angebots- und Nachfragekurve. Aller Strom wird dann zum tatsächlichen Strompreis gehandelt, die Höhe der Angebote ist für den tatsächlichen Handel nicht mehr relevant.
  • Insbesondere die Anbieter sind gesetzlich dazu verpflichtet, reelle Preise für ihre Angebote zu verlangen, die durch ihre Gestehungskosten gerechtfertigt sind. Sie dürfen also nicht aus strategischen Überlegungen heraus höhere oder niedrigere Preise anbieten.
  • Erneuerbare Energien haben jedoch „Vorfahrt“, das heißt, sie dürfen immer zum Preis Null anbieten. Sie sind allerdings dazu verpflichtet, die lieferbare Strommenge so genau wie zumutbar möglich abzuschätzen.
  • Es gibt Verbraucher, die ihren Strom unbedingt brauchen, egal wie teuer er ist, hierzu zählen insbesondere zB Stadtwerke(!). Diese bieten daher immer den Maximalpreis.
  • Übliche Preise bewegen sich bei 50€/MWh, Maximalpreise (z.B. an heißen Sommertagen) liegen schon mal bei 500€/MWh. Anhand der auf EEX.de veröffentlichten Daten kann jeder den Verlauf nachvollziehen.
  • Nun zu den erneuerbaren Energien: Laut EEG gibt es ja einen garantierten Abnahmepreis für erneuerbar erzeugten Strom. Diese EEG-Zulage wird in der Preisentstehung an der Börse zunächst nicht eingerechnet, sie wird erst nach der Preisbildung berechnet: Die Summe zur Förderung des angebotenen EEG-Stroms wird auf die Gesamtmenge des gehandelten Stroms umgelegt und auf den an der Börse entstandenen Strompreis aufgeschlagen.
  • Eine große Menge Strom wird auch außerhalb der Spot-Börse gehandelt, z.B. durch bilaterale Verträge zwischen Erzeugern und Verbrauchern. Diese Verträge beziehen sich jedoch nur auf die Strommenge, der Preis wird dabei noch nicht festgelegt sondern orientiert sich immer am dann jeweils gültigen Börsenpreis.

Ich hoffe, mit diesen Infos wird auch das Lesen des o.g. tagesschau-Artikels etwas transparenter. Insbesondere die letzten beiden Abschnitte dort beinhalten ein paar gute Punkte.

Die Notizen hatte ich nach einem Vortrag von Frau Dr. Kathrin Goldammer gemacht, danke für den guten Überblick und die Diskussion.

Fußnote:
* Das könnte sich mit Inkrafttreten der EEG-Novelle ab 2012 ändern, Stichworte „Direktvermarktungsmodell“, „Marktprämie“

 


 

Autor: Johannes Widmer
Quelle: greentone.de

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 16. April 2012 um 12:02 Uhr  

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